18.01.2026 Der Stille Verschleiß Warum dein Bike im Winter schneller altert und wie du es schützen kannst.
Der Winter ist die härteste Jahreszeit für jedes Fahrrad. Während niedrige Temperaturen den mechanischen Teilen meist wenig ausmachen, sorgt die Kombination aus Feuchtigkeit, Streusalz und Schmutz für eine aggressive Mischung, die herkömmliche Verschleißprozesse massiv beschleunigt.
Dieser Newsletter ist ein Guide, wie du den Verschleiß frühzeitig erkennst und was du dagegen tun kannst.
Außerdem kommt dein Bike mit dem richtigen Wintercheck gut durch die herausfordernde Jahreszeit.
Viel Spaß beim Lesen!
Dein Bike+ Geyer Team
1. Warum ist der Verschleiß im Winter höher? Drei Hauptfaktoren arbeiten im Winter gegen die Technik Ihres Fahrrads:
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Elektrolytische Korrosion: Streusalz löst sich im Spritzwasser auf. Diese Salzlösung wirkt als Elektrolyt und beschleunigt das Rostrisiko bei Stahl und die Oxidation bei Aluminium dramatisch.
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Schleifmitteleffekt: Matsch und feiner Straßensand mischen sich mit dem Kettenöl zu einer zähen "Schleifpaste", die Metalloberflächen förmlich wegfräst.
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Thermische Belastung: Ständige Wechsel zwischen frostigen Außentemperaturen und beheizten Kellern können zur Bildung von Kondenswasser in Rahmenrohren oder Lagern führen.
2. Betroffene Bauteile: Was leidet besonders?
Der Antrieb (Kette, Kassette, Kettenblätter):
- Dies ist die größte Schwachstelle. Die Kette ist ständigem Beschuss durch Schmutzwasser ausgesetzt.
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Warum: Die Glieder reiben den eingedrungenen Sand unter Last gegeneinander auf, was die Kette "längt" und die Zähne der Ritzel vorzeitig abnutzt.
Die Bremsanlage:
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Felgenbremsen: Die Gummis wirken wie Schmirgelpapier auf der Felgenflanke. Das führt zu tiefen Rillen und kann die Felge instabil machen.
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Scheibenbremsen: Salzpartikel können sich auf den Belägen festsetzen, was zu Quietschen und verringerter Bremsleistung führt. Zudem können die Kolben im Bremssattel durch Salzfraß festklemmen.
Die Federung (Federgabel & Dämpfer):
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Warum: Die feinen Dichtungen an den Tauchrohren können spröde werden. Wenn Salz und Schlamm an den Dichtlippen vorbeigelangen, wird das Innenleben der Gabel beschädigt.
Lager (Tretlager, Steuersatz, Radnaben):
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Warum: Feiner Schlamm drückt sich durch die Dichtungen. Wenn das Fett im Inneren durch Salzwasser emulgiert (sich vermischt), verlieren die Kugellager ihre Schmierung und fressen sich fest.
E-Bike Akku und Kontakte:
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Warum: Chemische Prozesse im Akku laufen bei Kälte langsamer ab, was die Reichweite reduziert. Zudem sind die elektrischen Kontakte anfällig für Korrosion durch Feuchtigkeit.
3. Verschleiß frühzeitig erkennen Achte auf diese Warnsignale, um teure Folgeschäden zu vermeiden:
Kette: Sichtbarer Flugrost, steife Kettenglieder, "Springen" der Kette unter Last.
Bremsen: Schleifgeräusche, nachlassende Bremskraft, tiefschwarzer Abrieb an den Felgen.
Schaltung: Gänge lassen sich nur verzögert oder unpräzise wechseln (oft durch verkrustete Schaltzüge).
Lager: Knackgeräusche beim Treten oder ein spürbares "Ruckeln" beim Lenken
4. Prävention: So schützen Sie Ihr Fahrrad Die 10-Minuten-Winterpflege (Wöchentlich)
Minute 1-3: Das "Abspülen" (Salz-Ex)
Verwende einen Eimer lauwarmes Wasser oder einen sanften Wasserstrahl (keinen Hochdruckreiniger!).
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Fokus: Rahmenunterseite, Tretlagerbereich und Bremszangen.
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Ziel: Das aggressive Streusalz lösen, bevor es das Metall angreift.
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Tipp: Ein Schuss Autoshampoo oder Fahrradreiniger im Wasser hilft, den öligen Grauschleier zu lösen.
Minute 4-6: Der Antrieb (Reinigung & Vorbereitung)
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Kette abwischen: Ziehe die Kette durch einen alten Lappen, um den schwarzen "Schmirgel-Schlamm" grob zu entfernen.
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Ritzel-Check: Fahre mit dem Lappen kurz durch die Zwischenräume der hinteren Zahnräder.
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Trocknen: Wische die Kette kurz trocken, damit das neue Öl nicht auf Wasser aufgetragen wird.
Minute 7-8: Schmieren (Der Schutzschild)
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Ölen: Trage ein spezielles Wet-Lube (Nassschmiermittel) auf die Innenseite der Kette auf, während du die Kurbel rückwärts drehst.
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Verteilen: Schalte alle Gänge einmal durch, damit sich das Öl auch auf den Ritzeln verteilt.
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Überschuss: Wische nach einer Minute mit einem sauberen Tuch das überschüssige Öl außen an der Kette ab (sonst zieht es nur neuen Dreck an).
Minute 9: Funktions- & Sicherheitscheck
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Bremsen: Teste kurz den Druckpunkt. Quietschen sie extrem? (Falls ja: Bremsreiniger nutzen oder Felgenflanken abwischen).
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Reifen: Ein kurzer Daumendruck auf die Reifen – haben sie noch genug Luft? (Salz und Kälte machen Gummi manchmal spröde).
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Beleuchtung: Einmal kurz einschalten – sehen und gesehen werden ist im Winter lebenswichtig.
Minute 10: E-Bike Extra-Meile (nur bei E-Bikes)
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Kontakte: Akku kurz entnehmen, Kontakte mit einem trockenen Tuch abwischen.
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Display: Feuchtigkeit vom Display oder der Halterung wischen.
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Akku-Lagerung: Den Akku mit ins Haus nehmen, falls das Rad in der kalten Garage steht.
5. Fahrverhalten und Sicherheit bei Eis und Schnee
1. Die goldene Regel: Ruhe bewahren
Auf glattem Untergrund ist jede abrupte Bewegung dein Feind.
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Vermeide hastige Lenkbewegungen: Versuche, Kurven in einem größeren Radius zu fahren und das Rad so aufrecht wie möglich zu halten. Je schräger du in der Kurve liegst, desto eher rutschen die Reifen weg.
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Vermeide plötzliches Beschleunigen: Besonders bei E-Bikes mit hohem Drehmoment kann das Hinterrad auf Eis sofort durchdrehen und ausbrechen. Fahre in einer niedrigen Unterstützungsstufe an.
2. Richtig Bremsen bei Rutschgefahr
Das Bremsverhalten entscheidet oft darüber, ob man im Sattel bleibt oder unsanft absteigt.
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Frühzeitig und sanft: Beginne den Bremsvorgang viel früher als im Sommer.
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Hinterrad-Priorität: Nutze primär die Hinterradbremse. Wenn das Hinterrad leicht rutscht, bleibt das Rad meist noch kontrollierbar. Ein blockierendes Vorderrad führt fast immer zum sofortigen Sturz.
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In der Kurve: Bremse vor der Kurve ab, nicht mittendrin. Wenn du auf einer Eisplatte bremsen musst, ziehe die Hebel nur ganz leicht und stoßweise (manuelles ABS).
3. Den Untergrund "lesen"
Nicht jedes Eis ist gleich gefährlich.
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Schwarzes Eis (Blitzeis): Oft unsichtbar auf asphaltierten Straßen. Wenn die Straße verdächtig glänzt, sofort Tempo raus.
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Schneematsch: Hier schwimmt der Reifen oft auf (ähnlich wie Aquaplaning). Versuche, in bereits gefahrenen Spuren von Autos zu bleiben, da dort der Asphalt oft frei ist.
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Kopfsteinpflaster und Markierungen: Zebrastreifen, Gullideckel und Fahrbahnmarkierungen sind bei Nässe und Frost glatt wie Schmierseife. Überfahre diese möglichst nur in gerader Linie ohne zu lenken oder zu bremsen.
4. Technische Tricks für mehr Grip
Du kannst die Physik ein wenig zu deinen Gunsten beeinflussen:
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Luftdruck senken: Reduziere den Reifendruck etwas (beachte den auf dem Reifen angegebenen Mindestdruck). Ein "weicherer" Reifen hat eine größere Auflagefläche und bietet deutlich mehr Grip auf Schnee und Eis.
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Sattel tiefer stellen: Wenn es extrem glatt ist, senke den Sattel um ein paar Zentimeter. So hast du den Schwerpunkt tiefer und kannst im Notfall sofort beide Füße sicher auf den Boden bringen, um dich abzufangen.
5. Was tun, wenn es rutscht?
Wenn das Rad unter dir wegschmiert:
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Finger weg von der Bremse! Ein rutschender Reifen fängt sich eher wieder, wenn er rollen kann.
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Blick dorthin, wo du hinwillst: Starrst du auf das Hindernis oder den Bordstein, fährst du auch dort hin. Schau auf den rettenden, freien Asphalt.
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Ausclicken: Falls du Klickpedale nutzt, fahre im Winter lieber mit Plattformpedalen oder steige frühzeitig aus den Bindungen aus, um die Beine frei zu haben.